Samstag, 20. März 2010, 00:01h

Das Milgram Experiment in neuer Auflage – man kann alles noch steigern

behrens

Wahrscheinlich kennen viele das Milgram-Experiment. Der Psychologe Stanley Milgram hat in den 60er Jahren ein Experiment durchgeführt, in dem er die Gehorsamkeitsbereitschaft untersuchen wollte. Er hat dabei Probanden angewiesen, ein Schaltpult zu bedienen, mit dem Stromstöße in Versuchspersonen geleitet wurden. Bei den Versuchspersonen handelte es sich jedoch um Schauspieler, die die Schmerzreaktionen nur vortäuschten. Dies allerdings je nach simulierer Stromstärke äußerst überzeugend. Das Ergebnis war mehr als erschütternd, denn viele der Versuchspersonen hatten keine Skrupel, Menschen Schmerzen zuzufügen, wenn ihnen von einer Autoritätsperson immer wieder gesagt wurde, dass dies seine Ordnung hätte. Das Gewissen wurde gewissermaßen abgegeben oder besser gesagt: delegiert an eine Autoritätsperson.

Jetzt wurde in Paris dieses Experiment wiederholt. Allerdings nicht auf wissenschaftlicher Grundlage, sondern als Reality-show vor Publikum in Form eines Quiz, bei dem für falsche Antworten Stromschläge erteilt wurden. Bilanz: wie damals waren fast alle Kandidaten (81 %) bedingungslos gehorsam und hatten keinerlei Gewissensbisse.

Der Unterschied des ersten wissenschaftlichen Experiments und der jetzigen öffentlichen Vorführung bestand in Anwesenheit eines Publikums. Und wie war dessen Reaktion? Niemand stoppte den Gewaltexzess und die Kandidaten wurden auch noch angefeuert.

Es gibt wohl nicht allzu viele Erklärungen für die Beweggründe des Produzenten Christophe Nicks – wahrscheinlich einfach nur die der hohen Sendequoten und der Medienwirksamkeit. Also kein zweiter Stanley Milgram, der sich sehr intensiv und ausgiebig mit dem Thema Autoritätsgläubigkeit im Hinblick auf die Verbrechen des Nationalsozialismus beschäftigt hat. Aber dennoch – die Reaktion wäre mit Sicherheit auch bei einem erneuten Experiment unter wissenschaftlichen Bedingungen nicht viel anders ausgefallen.

Und dies ist das Besorgniserregende. Ich habe das Milgram-Experiment ausgiebig in meiner Schulzeit im Soziologieunterricht behandelt. Dabei ging es ausschließlich um die Bedingungen, die zu extremer Gehorsamkeitsbereitschaft führen. Mit Spaß für irgendwelche Dritten hatte dieses Experiment nichts zu tun. Und ich erinnere auch noch, dass es auch einige Probanden gab, die ab einer bestimmten Stromstärke zunehmend Bedenken hatten und denen es offensichtlich schwer fiel, anderen Schmerzen zuzufügen.

Bei der besagten Reality-show wurde jetzt ein schon an sich perfides menschliches Verhalten um den Spaßfaktor ergänzt. Jetzt finden sich Menschen bereit, im Schutze eines großen Publikums eine Foltervorstellung anzusehen. Jetzt wird gequält in einer Atmosphäre von „Let’s have fun“. Aber wundern tut es eigentlich nicht mehr, denn wenn das Filmen von Gewalt mittels Handy und das anschließende Veröffentlichen im Netz schon zum Alltag gehören, dann ist eine Foltersendung eigentlich nur noch das passende professionelle „event“ für diejenigen Menschen, die gern zusehen,wenn Menschen gequält werden. Und das schockierende Ergebnis des Milgram-Experiments – nämlich die extreme Gehorsamsbereitschaft – wird jetzt ergänzt um ein weiteres schockierendes Ergebnis: der gnadenlose Spaß am Leid anderer.

... comment

 
Mikael
J´ai éssayé de lire la plupart des thémes que tu as écrit,méme si je n´ai pas tout compris entiérement car mon niveau d´allemand n´est pas encore parfais,je trouve que ton style d´écriture est trés intéréssant et que tu devrais éssayer de publier tes articles,il ne faut pas avoir peur de l´adversité et des critiques car la plupart des écrivains ou des journalistes sont confrontés à ce genre de probléme,continue dans cette voie,c´est super.
Ton Mika

... link  

 
Merci beaucoup
Je ne pense pas, que les choses, que j'ai ecrit, sont assz bien. Mais quandmeme - Merci!

Je suis fier, comment tu as solué le combat à ton travail! Sans appeler la police (comme picsou) et sans rentre toi-meme dans le combat. Ca va te donner du respect des tes jeunes.

Ta Gitta

... link  


... comment