Samstag, 16. März 2013, 17:28h

Fernsehtipp zum Thema Alter und Buchtipp Demenz

behrens

Am kommenden Montag, dem 18.03.2013 gibt es um 21.15 Uhr auf RTL die Sendung "Jenke - Das Experiment". Der 47jährige Reporter Jenke zieht in ein Appartement im Altenheim. Um sich auch körperlich in die Lage eines alten Menschen zu versetzen, trägt er einen speziellen Anzug, der Schwerfälligkeit und Zittern simuliert und außerdem eine Maske, die ihn um die 30 Jahr älter aussehen lässt.

Ich habe mir vorgenommen, mich mehr mit dem Thema Alter und Demenz zu beschäftigen (zumal das Thema ja auch bedrohlich näher rückt...) und mir das Buch "Demenz" (Annette Bruns u.a., Spiegel Buchverlag) bestellt. Ich kann das Buch nur etappenweise lesen und lege es dann wieder aus der Hand. Merkwürdigerweise ist dieses Thema für mich belastender als das Thema Locked-In-Syndrom, mit dem ich mich auch schon beschäftigt habe.

Habe noch nicht herausgefunden, was genau an dem Thema Demenz so viel erschreckender ist. Vielleicht ist der Verlust des Geistes noch furchteinflößender als der Verlust der Körperbeherrschung, da man das Gefühl hat, mit dem Geist geht auch die gesamte Persönlichkeit verloren.

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Reporter Jenke ist bekannt für Experimente an sich selbst. Jüngst versuchte er alkoholabhängig zu werden. Auf eine solche Idee kann vermutlich nur ein Massen-Verdummungssender RTL kommen. Das ist in meinen Augen vor einem solchen Hintergrund einfach nur geschmacklos und nicht hilfreich. :-(

An dem Thema Demenz sollte nichts erschreckend sein, denn es trifft Millionen Menschen weltweit Jahr für Jahr und gehört zum natürlichen Lauf der Dinge. Erschreckend finde ich, wie Gesellschaften damit umgehen. Und wohin diese armen Menschen abgeschoben und wie wenig auf sie individuell eingangen wird. Denn das ist wirklich beschämend - viele Hunde im Tierheim haben es besser als diese Menschen, die so krank sind und auf Hilfe angewiesen, aber oftmals (zumindest wenn sie in finanzieller Hinscht nicht so gut bestellt und seitens der Familien sofern vorhanden eher im Stich gelassen) einfach in etwas abgeschoben werden, was man Aufbewahrungsanstalt nennen muss.

Scheußlich!

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Ich hatte bisher noch nichts von diesem Reporter gehört, das was sie schreiben, hört sich nicht gut an.

Man darf nicht unterschätzen, welch enorme Anstrengung es oftmals darstellt, sich um einen dementen Menschen zu kümmern. Viele Angehörige haben irgendwann einfach keine Kraft mehr.

Meine Freundin hat sich sehr liebevoll um ihre Oma gekümmert, die sie sogar zu sich genommen hat. Aber sie ist daran fast kaputtgegangen. Sie konnte ihre Oma keinen Moment alleinlassen, weil die dann ständig etwas kaputtgemacht oder sich selbst verletzt hat. Das war eine riesige Belastung.

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Ich denke auch, dass so kranke Menschen in qualifizierte Hände gehören. Was mich betrübt sind zum einen die Zustände in manchen Pflegeeinrichtungen selbst, aber auch dass Familienangehörige mitunter so selten dorthin gehen und sich nicht mehr kümmern.

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Das macht mir auch zu schaffen, es gibt Heimbewohner, die außer von mir von absolut niemandem besucht werden. Wenn ich Heimbesuche mache, bin ich danach immer irgendwie niedergeschlagen. Wobei ich betonen muss, dass viele vom Pflegepersonal sich wirklich gut um die Bewohner kümmern. Aber es ist und bleibt eben ein Heim. Eine alte Dame hat einmal gesagt, dass sie eigentlich mit allem zufrieden ist - mit dem Personal, mit dem Essen, mit dem Zimmer - aber dennoch ihre Wohnung vermisst, weil ein Heim eben doch nicht das "Zuhause" ist. Und was viele meiner alten Betreuten abhält, in ein Heim zu ziehen, ist die Tatsache, dass es dort nur alte Menschen gibt. Niemand, der alt und gebrechlich ist, will ausschließlich mit anderen alten und gebrechlichen Menschen zusammen sein.

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Es gab nicht viel Neues bei dem Experiment und auch die anschließende Dokumentation über eine undercover Bewerbung bei vier Pflegeheimen zeigte, was man oftmals schon weiß – dass es eigentlich nie genug Personal gibt.

Dann wurde eine 97jährige gezeigt, die noch zuhause wohnte, wo sie von einer polnischen Pflegekraft zum Preis von 1.800,00 € versorgt wurde. Ich habe dies ja hier schon mal thematisiert. Eine Sache, die für den alten Menschen toll ist, die aber sozialpolitisch eine Katastrophe darstellt, da alles nur unter Arbeitsbedingungen – rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche – möglich ist, die die Zeit um ein Jahrhundert zurückschrauben. t

Ein Lichtblick hingegen war die Leichtathletik-Seniorenmeisterschaft, die erstaunlich fitte Senioren beim Springen zeigte. Alter ist relativ – bei dem einen alten Menschen funktioniert Fortbewegung nur noch mit dem Gehwagen, bei dem anderen stellt die körperliche Fitness manchen 20jährigen in den Schatten.

Ach ja und es gab wieder die Thailand-Rentner. Ein Ehepaar, dass für den Preis von 100.000,00 € ein wunderschönes Haus mit lebenslangem Wohnrecht und Rund-um-die-Uhr-Pflege (falls erforderlich) erworben hat und für monatlich ca. 2.000,00 € seinen Lebensunterhalt bestreitet. Nicht gerade billig, aber wunderschön.

Positiv ist, dass Alter zumindest überhaupt mal in den Medien thematisiert wird. In die Tiefe ging es natürlich nicht.

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