Mittwoch, 25. März 2020, 20:34h

Sozialarbeit in Zeiten der Kontaksperre

behrens

Seit Mitte letzter Woche ist die Begegnungsstätte der Einrichtung, in der ich arbeite, geschlossen und mittlerweile sollen auch keine persönlichen Kontakte mehr erfolgen. Wie betreut man Menschen, zu denen man keinen persönlichen Kontakt haben darf? Menschen, von denen einige an schweren Depressionen leiden und für die sozialer Kontakt oftmals unverzichtbar ist. Unser Team versucht, so gut es irgend möglich ist, dies mit Hilfe von Telefon, WhatsApp und Mails auszugleichen. Was die Einzelgespräche betrifft, ist dies auch gar nicht so schwer. Aber natürlich kann man dadurch nicht das soziale Miteinander ersetzen. In unser Begegnungsstätte gibt es Gruppenangebote zu diversen Themen. Dazu gehören Kochen, Nähen, Walken, Frühstück, soziale Beratung und auch Gruppen zum Thema Achtsamkeit und Depression. Außerdem können unsere Klienten zu bestimmten Zeiten auch einfach so vorbeikommen, um gemeinsam einen Kaffee zu trinken oder zu klönen. All dies ist seit vergangener Woche ersatzlos gestrichen.

Ich halte diese Maßnahme für wichtig und unumgänglich, da ich nicht zu denjenigen gehöre, die Corona mit einer Influenza gleichsetzen. Und auch unsere Klienten haben Verständnis und bejahen die Schließung. Aber dennoch wird dies jetzt eine schwierige Zeit, zumal niemand weiß, wie lange dieser Zustand noch andauern wird.

Ich selbst bin kaum noch in der ambulanten Einzelbetreuung tätig, meine Aufgabe ist seit einiger Zeit die Einleitung und Durchführung des Antragsverfahrens, das für die Kostenübernahme der sogenannten Ambulante Sozialpsychiatrische Betreuung erforderlich ist. Ich erstelle gemeinsam mit den Klienten eine Stellungnahme und helfe bei der Zusammenstellung der erforderlichen zahlreichen Unterlagen. Und oftmals besteht schon ein Hilfebedarf, bevor die Hilfe vom zuständigen Amt bewilligt wurde und ich versuche dann soweit es möglich ist, bei Problemen zu helfen. Es ist zwar nicht unmöglich, dies nur auf dem telefonischen und postalen Weg zu machen, aber einfach ist es nicht. Und schon im Antragsverfahren kommt man manchmal in Berührung mit großer Verzweiflung und tiefen Lebenskrisen, für die Lösungen gefunden werden müssen. Und ich bin dankbar für mein Team, das mit viel Kreativität und Engagement alles versucht, angesichts dieser schwierigen und beängstigenden Krise unseren Klienten gemeinsam beizustehen.

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