Mittwoch, 6. März 2013, 23:52h

Auf die alten Tage nach Thailand? – Fortsetzung

behrens

Zufällig habe ich heute eine Art Fortsetzung der Sendung gesehen über den Trend, seinen Lebensabend in einem Heim in Thailand zu verbringen. Nach einem Jahr wurde eine Art Folgebesuch bei den in Thailand lebenden Senioren gemacht. Dabei erfuhr man auch ein paar Details. Zum Beispiel kostet ein Platz in einer Seniorenresidenz für Demente mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung 2.500,00 € und ein kleines Häuschen mit Vollpension in einer Seniorenresidenz für noch rüstige Rentner ohne Pflegebedarf kostet 880,00 €.

Da wurde die Rentnerin Ute gezeigt, die sich in ihrem Häuschen gar nicht so wohl fühlte, da sie in der Seniorenresidenz nicht den erwarteten Anschluss gefunden hatte. Ute gibt als Grund für die Abkehr Deutschlands „Flucht vor der Altersarmut“ an und sie will auch jetzt nicht wieder zurück in die Heimat. Kurzentschlossen sucht sie jetzt über Internetkontakte eine neue Bleibe, wobei man natürlich unterstreichen muss, dass sie noch rüstig genug ist, um die dafür nötige Aktivität zu haben.

Und da ist die gebürtige Schweizerin Elisabeth, die so dement ist, dass sie den Namen ihrer thailändischen Pflegerin immer wieder vergisst, die aber dennoch perfekt Englisch spricht und zwar so gut, dass sie der Pflegerin jetzt Sprachunterricht gibt! Ich bin höchst erstaunt, aber ich habe in der Vergangenheit auch schon einen Dementen erlebt, der zeitweilig wieder im Besitz seiner Latein- oder Altgriechischkenntnisse war.

Dann wird ein sehr dementer Mann gezeigt, der von seiner Ehefrau in das Dementenpflegeheim gegeben wurde. Sie besucht ihn jedes Jahr für einige Monate. Auf die Frage, warum sie sich dazu entschlossen hat, ihren Mann in ein thailändisches Pflegeheim zu geben, antwortet sie: „ Um ihm die Freiheit zu lassen und die Würde. Er hat in Deutschland so viele Medikamente bekommen, dass er völlig steif wurde und in Thailand wurden dann die Medikamente langsam abgesetzt“.

Und jetzt kommt noch ein ganz spezieller Fall, der zeigt, dass es eben doch nicht das Gleiche ist, ob eine Frau altert oder aber ein Mann. Gezeigt wird Reinhard, der mit einer wesentlich jüngeren Thailänderin in einem Hochhaus in Pattaya wohnt. Ihm ist die Idee gekommen, seinen weiteren Lebensabend mit seiner thailändischen Freundin zu verbringen, weil „die Leute hier bekannt dafür sind, dass sie die Alten sehr gut pflegen“. Er lobt, dass seine Freundin „nicht raucht, nicht trinkt und nicht spielt“. Lediglich Geld würde sie nicht ablehnen (das mag wohl auch der Grund ihrer Motivation für die Beziehung sein…). Er besucht dann auch tatsächlich die auf dem Land lebende Familie der Freundin, die ihn sehr herzlich grüßt und dabei schätzt er schon mal ab, ob man mit einem Rollstuhl im Haus herumfahren könnte.

In dem kleinen Dorf wird dann noch ein Zeremoniell an einem speziellen Festtag für ältere Menschen gezeigt; es werden zur Bezeugung des Respekts die Hände der alten Menschen gewaschen.

Ich muss gestehen, dass ich den Gedanken der Versorgung deutscher Pflegebedürftiger in Thailand nicht mehr so befremdlich empfinde wie bei der ersten Sendung. Es machte nicht den Eindruck, dass jemand der vier gezeigten Menschen unglücklich war. Zwar hat Elisabeth gefragt: „Why I’am here and not in Switzerland?“ aber es machte eher den Eindruck einer Frage aus reiner Neugier, als aus Bedauern oder Kummer.

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