Freitag, 2. Januar 2009, 03:28h

Kusch und sein Sterbeautomat - Nachtrag

behrens

Habe gerade im vorletzten Spiegel ein Interview mit dem Philosophen Wilhelm Schmidt (es gibt tatsächlich noch Philosophen!) gelesen. Im Gespräch ging es um die Endlichkeit der Existenz und das Gespräch behandelte auch die aktive Sterbehilfe.

Wilhelm Schmidt hat unter anderem jahrelang suizidale Patienten in einer Klinik beraten. Für ihn muß der Tod als Teil der Existenz begriffen werden, wobei er allerdings bemerkenswert undogmatisch ist und sich weder auf die Seite der aktiven Sterbehelfer schlägt noch auf die Seite von deren Gegner. Er sieht sowohl die Gefahren einer völlig unkritschen Sterbehilfe als auch die Schwierigkeit derjenigen Menschen, die durch eine unheilbare Krankheit unsäglichen Leiden ausgesetzt sind.

Interessant ist seine Antwort auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, selbst einmal Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Wilhelm Schmidt sagt, daß er sich nicht der Hilfe eines anderen bedienen würde, da er diesem dann die Verantwortung für seinen Tod aufbürden würde. Allerdings könnte er sich bei einem langen, unerträglichen Leiden vorstellen, "sich selbst Sterbehilfe zu leisten". Hiermit spielt er auf den 2003 verstorbenen norwegischen Abenteurer Thor Heyerdahl an, der als er an einem Gehirntumor litt, einfach aufhörte, zu essen und zu trinken.

Dies ist für mich als Betreuerin auch eine Situation, in der ich von jeglicher Intervention absehen würde. Wenn ein unheilbar erkrankter Betreuter sich aufgibt und Essen und Trinken verweigert, würde ich dies akzeptieren. Diese letzte Möglichkeit, sein Leiden zu beenden, muß unbedingt akzeptiert werden.

Meine Erfahrung ist, daß schwerkranke oder schwer gebrechliche Menschen ihren Wunsch nach dem Tod auch wirklich ohne jede Fremd- oder Selbstmanipulation umsetzen. Es scheint, als ob es in dieser Situation oftmals möglich ist, sein Sterben tatsächlich selbst herbeizuführen.

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