Samstag, 22. Januar 2011, 00:50h

Heim oder eigene Wohnung - wie es weitergeht

behrens

Der Zustand meiner Betreuten, den ich ausführlich in meinem Beitrag ”Heim oder eigene Wohnung?” beschrieben habe, hat sich weiter verschlechtert, so dass Frau E. vor zwei Wochen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Sie ist kaum noch ansprechbar, weint nur und außerdem hat sich an den Füßen und am Steiß plötzlich ein Dekubitus gebildet.

Anfang der Woche kam dann ein Anruf vom Pflegeheim, bei dem die Betreute auf der Warteliste steht, überraschend ist ein Appartement freigeworden. Ich habe also in Anbetracht der massiven gesundheitlichen Verschlechterung zugesagt und vor zwei Tagen ist Frau E. dann vom Krankenhaus ins Heim verlegt worden. Es geht ihr allerdings so schlecht, dass sie dies kaum noch wahrnimmt.

Ich werde, so wie ich zuvor auch geschrieben habe, die Wohnung nicht sofort kündigen, sondern noch etwas abwarten. Damit sich Frau E. aber nicht völlig fremd im Appartement fühlt, habe ich ihr aber schon ein paar ihrer Kleinmöbel bringen lassen.

Heute habe ich mit dem Bezugspfleger darüber gesprochen, dass Frau E. kaum noch isst – sie nimmt nur einen Bissen und verschließt dann den Mund. Allerdings ist nicht klar erkennbar, ob dies eine Folge ihres Kräfteverfalls ist oder ob sie einfach nicht mehr essen möchte. Da sie nicht mehr in der Lage ist, sich zu äußern, wird irgendwann die Frage auf mich zukommen, ob möglicherweise eine sogenannte PEG-Sonde gelegt werden sollte. Dies ist eine Magensonde, über die zusätzlich flüssige Nahrung zugeführt wird. Eine eindeutige Indikation ist z.B. die einer starken Schluckstörung und oftmals kann bei Heilung dann auch wieder auf die Sonde verzichtet werden. Aber meist ist nicht eindeutig erkennbar, ob eine Magensonde wirklich sinnvoll ist – nämlich in den Fällen, in denen sich jemand schon im Sterbeprozess befindet und die Nahrungsverweigerung ein Zeichen dafür ist, dass derjenige nicht gegen den Sterbeprozess ankämpfen möchte.

Und genau wie die Frage, ob jemand in der Wohnung oder im Heim besser aufgehoben ist, fällt auch die Frage nach der Notwendigkeit einer PEG-Sonde in den Bereich des Spekulativen. Wenn jemand nicht mehr in der Lage ist, seinem Willen Ausdruck zu geben, kann man nur erahnen, was in dem anderen vorgeht. Das macht es unendlich schierig.

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