Donnerstag, 15. Januar 2009, 01:26h
Keine GEZ-Befreiung für Rollstuhlfahrer
Heute habe ich das Gerichtsurteil erhalten, in dem meine Klage auf GEZ-Befreiung für einen zu 100 % schwerbehinderten Rollstuhlfahrer abgelehnt wurde. Die Befreiung soll für Behinderte sein, die aufgrund ihrer Behinderung an der Teilnahme am öffentlichen Leben gehindert sind und deswegen einen Fernseher mehr als andere benötigen.
Dies ist also nach Meinung des Amtsgerichts Lüneburg nicht der Fall. Es ist möglich, auch mit dem Rollstuhl überall hinzugelangen und es würde auch überall behindertengerechte Toiletten geben. Mein Argument, daß letzters eine Wunschvorstellung ist und aus diesem Grund manche Betreute nicht mehr die Wohnung verlassen wollen, wurde abgeschmettert. Selbst wenn es irgendwo keine Behindertentoiletten geben würde (immerhin ein Hoffnungsschimmer, daß dies wohl doch realistisch wahrgenommen wird), könne man ja Windeln tragen.
Ich habe versucht zu erklären, daß nicht jeder Mensch ohne Scham Windeln tragen kann und in der Öffentlichkeit inmitten von Menschen ungeniert sein Geschäft verrichten mag. Dies wurde zwar nicht abgestritten, aber es wurde erwidert, daß hierunter nicht der Steuerzahler leiden könne. Der Steuerzahler ist kann nicht damit belastet werden, daß jemand psychische Hemmungen hat.
Ich macht mich müde, solche Argumente zu hören. Und es macht mich noch müder, dann meine eigenen Assoziationen zu ertragen, die von diesen Argumenten ausgelöst werden. Assoziationen, die nichts bringen, die ich aber leider nicht stoppen kann. Mir fallen meine ehemaligen Geschäftsführer ein, die munter auf Kosten der Steuerzahler ihren Betreuungsverein geführt haben und dabei nach Lust und Laune absurde Mandate (durch PKH auch auf Steuerzahlerkosten!) veranlaßt haben und ihre mit 4a honorierten Stellen dazu genutzt haben, selbst noch eigene Betreuungen zu führen,in der Arbeitszeit Weinhandel zu betreiben oder aber einfach eine 20- Stunden-Stelle auf 10 Stunden (maximal!)zu reduzieren um sich angenehmeren Dingen als Arbeit zu widmen.
Tja, so macht Vereinsarbeit Spaß! Nach 40 Jahren harter Arbeit als Fernfahrer mit einer 60 Stundenwoche (mindestens!) und einer kärglichen Erwerbsunfähigkeitsrente macht das Leben weniger Spaß. Aber darunter können wir Steuerzahler natürlich nicht leiden.
Merkwürdig, ich leide eigentlich nicht so sehr unter dem Finanzieren von Rundfunkgebühren für Rollstuhlfahrer. Viel mehr macht mir zu schaffen, mit meinen Steuergelden den Mercedes, die Reitpferde und die Harly Davidson (nicht übertrieben) für sogeannte Geschäftsführer gezahlt zu haben.
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Freitag, 2. Januar 2009, 03:28h
Kusch und sein Sterbeautomat - Nachtrag
Habe gerade im vorletzten Spiegel ein Interview mit dem Philosophen Wilhelm Schmidt (es gibt tatsächlich noch Philosophen!) gelesen. Im Gespräch ging es um die Endlichkeit der Existenz und das Gespräch behandelte auch die aktive Sterbehilfe.
Wilhelm Schmidt hat unter anderem jahrelang suizidale Patienten in einer Klinik beraten. Für ihn muß der Tod als Teil der Existenz begriffen werden, wobei er allerdings bemerkenswert undogmatisch ist und sich weder auf die Seite der aktiven Sterbehelfer schlägt noch auf die Seite von deren Gegner. Er sieht sowohl die Gefahren einer völlig unkritschen Sterbehilfe als auch die Schwierigkeit derjenigen Menschen, die durch eine unheilbare Krankheit unsäglichen Leiden ausgesetzt sind.
Interessant ist seine Antwort auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, selbst einmal Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Wilhelm Schmidt sagt, daß er sich nicht der Hilfe eines anderen bedienen würde, da er diesem dann die Verantwortung für seinen Tod aufbürden würde. Allerdings könnte er sich bei einem langen, unerträglichen Leiden vorstellen, "sich selbst Sterbehilfe zu leisten". Hiermit spielt er auf den 2003 verstorbenen norwegischen Abenteurer Thor Heyerdahl an, der als er an einem Gehirntumor litt, einfach aufhörte, zu essen und zu trinken.
Dies ist für mich als Betreuerin auch eine Situation, in der ich von jeglicher Intervention absehen würde. Wenn ein unheilbar erkrankter Betreuter sich aufgibt und Essen und Trinken verweigert, würde ich dies akzeptieren. Diese letzte Möglichkeit, sein Leiden zu beenden, muß unbedingt akzeptiert werden.
Meine Erfahrung ist, daß schwerkranke oder schwer gebrechliche Menschen ihren Wunsch nach dem Tod auch wirklich ohne jede Fremd- oder Selbstmanipulation umsetzen. Es scheint, als ob es in dieser Situation oftmals möglich ist, sein Sterben tatsächlich selbst herbeizuführen.
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Sonntag, 26. Oktober 2008, 17:47h
„Authentisch leben“ von Erich Fromm
Es tut immer wieder gut, mal wieder ein Buch von Erich Fromm zu lesen. Sein Werk „Authentisch leben“ hat nichts an Aktualität eingebüßt, obwohl Erich Fromm schon 1980 verstarb und einige Thesen von ihm schon 1937 (!) formuliert wurden.
Sein Plädoyer für ein authentisches Leben wendet sich gegen die von ihm als „Pseudo-Selbst“ bezeichnete Existenz. Diese ist die Konsequenz, wenn sich der Mensch nur noch daran orientiert, sich gewinnbringend auf dem Markt zu verkaufen. Das Gefühl für die eigene Identität wird nicht durch die Bezogenheit auf andere erlebt sondern durch das Gefühl des Besitzens. Das Haben besitzt eine stärkere Realität als das Sein.
Ein Pseudo-Selbst ist aber auch die Folge, wenn ein Mensch nur die Erwartungen erfüllt, welche andere in ihn setzen und sein Selbstgefühl nur das Spiegelbild seiner gesellschaftlichen Rolle darstellt. Diese Menschen sind durch tiefe Angst und Unsicherheit geprägt und haben ein zwanghaftes Bedürfnis nach Konformität.
Die Möglichkeit eines authentischen Lebens hängt von vielen Faktoren ab. Von Gleichberechtigung und von der Freiheit der Wahl. Wobei mit Freiheit nicht die Scheinfreiheit in einer durch Medien manipulierten Gesellschaft gemeint ist, sondern die wirkliche Freiheit, die es nur da geben kann, wo die Wirklichkeit nicht inszeniert ist. Eine wichtige Voraussetzung ist die Fähigkeit, Konflikte und Polaritäten zu akzeptieren, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen. Erich Fromm sieht Konflikte als die Quelle der Entwicklung der eigenen Kraft und dessen, was man als „Charakter“ zu bezeichnen pflegt. Konfliktfähigkeit ist die Bedingung für die Überprüfung des eigenen Standpunktes und des eigenen Weltbildes. Jedes geistige Wachstum hat seine Ursache in der Konfrontation mit den eigenen Widersprüchen.
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